Informationen zu den klassischen Porsche 911
 
Kaufberatung Carrera 3,2
von Guido Hammer
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weitere Kaufberatungen im Web:

Die Kaufberatung von
Olaf Häner:
http://www.dialog-911.de/
Sehr gut! unterteilt nach
SC, C1 und C2/4

Die Seiten von
Guenter Schneider
http://www.s-g-e.de/

Kaufberatungen in
Oldie-Zeitschriften:

  • Motorklassik 01/97
    911 S, 1966
  • Motorklassik 01/98
    Carrera RS 1973
  • Motorklassik 01/99
    Porsche 911 Turbo 3,0
  • Oldtimer-Markt 08/99
    911 Turbo 70er
  • Motorklassik 04/00
    911 Targa 60er
  • Oldtimermarkt 12/00
    911 74-83
  • Motorklassik 02/01
    911 Carrera 3,2
  • Motorklassik 02/02
    911 Cabrio, 80er
  • Motorklassik 12/02
    Porsche 959
  • Motorklassik 01/04
    911 Speedster +356
Hilfe, ich kauf mir einen 911...
Abgesehen von "Prestige-Fahrern" und eingen Sammlern dürfte sich ein Großteil der Käufer eines gebrauchten 911 nicht richtig rational verhalten, sondern ... ach was weiss ich... des puren Spasses wegen! Man lebt nur ein Mal! Ich kenne keinen, der sich einen alten Elfer nur deswegen gekauft hat, weil er so praktisch quadratisch gut ist,... . Oft ist es ein langgehegter Traum, sich mal einen 911 leisten zu können, und irgendwann ist es dann soweit: Das Geld ist auf die Seite geschafft und die Suche nach einem passendem Exemplar kann beginnen.

Die Zeitung wird durchstöbert, das Internet auch und es werden Verkäufer angerufen, und jeder erzählt einem, was für ein tolles Auto er doch zu verkaufen hat. Bevor Sie jetzt losstürmen, das Bargeld zu einem Bündel geschnürt in die Hosentasche stopfen, sollten Sie jedoch Ihre Hausaufgaben gemacht haben! Ein 911er-kauf gehört mit zu den schwierigsten Käufen von Automobilen überhaupt! Sie kaufen keinen Golf, sondern einen Sportwagen! Und da sollte man sich gut darauf vorbereiten um danach nicht in die Röhre zu schauen.

Qual der Wahl
OK, aber bevor Sie aber losstürmen, vielleicht in der Phase, wo Sie noch am sparen sind, machen Sie sich sicherlich Gedanken, welches Modell es doch werden soll. Das ist gar nicht so einfach, da es durch die langjährige Bauzeit viele Modelle und Ausführungen gibt, die einem eigentlich alle gefallen könnten. Da sind zum einen die Oldtimer der Jahre 1964 bis 1973. Diese sind rar und einzigarteig, vermitteln sie einem doch noch das Sportwagen-Fahren in seiner reinsten Form ohne Schnick-Schnack und Schnörkel. Dann gibt es den im Volksmund "G-Modell"-getauften 911 von 1974 bis 1989, die fast alle gleich aussehen, aber sich doch technisch stark unterscheiden. Dann noch die etwas neueren C2 und C4 (89-93) und den optisch immer noch modernen 993 der dann bis 1997 Neuwagenkäufer beglücken durfte. Jaja, gar nicht so einfach, sind sie doch irgendwie alle toll. Und dann ist da noch die Entscheidung, welche Karosserieform denn die Richtige ist. Da gibts ja das Coupe, den Targa und das Cabrio, Sondermodelle sind auch zu haben, Turbolook oder gleich ein Turbo? hmmm....

Jaja, als Porsche-Fan hätte man am liebsten von jedem eins. Aber so nen Geldbeutel haben die meisten dann doch nicht... also erst mal entscheiden, was es werde soll. Im folgenden möchte ich ein wenig die Vor- und Nachteile der verschiedenen Elfer-Modelle herausarbeiten, sie entsprechen zum Teil meiner persönlichen Erfahrung und ist natürlich eingefärbt mit meiner persönlichen Meinung. Bedenken Sie, daß auch ich nur ein 911-Virus-infizierter Mensch bin, der auch völlig irrational in Besitz von 2 Elfern ist...

Wichtig! die Rücklage!!!
Bei der Planung der Summe, die Sie investieren wollen, sollten Sie UNBEDINGT ein Polster von ein paar Tausendern (richtig gehört! je nach Zustand...) für evtl. nicht vorhersehbare Reparaturen behalten! Sie kaufen schließlich einen gebrauchten Sportwagen. "Gebraucht" heisst, daß immer was kaputt gehen kann und "Sportwagen" bedeutet gesalzene Preise. Die Ersatzteile sind wirklich teuer!
Also reizen Sie Ihr Budget nicht gleich beim Kauf des Fahrzeuges aus! Denken Sie außerdem daran, daß die Steuer und Versicherung auch gleich nach dem Anmelden fällig wird. Und gerade bei katlosen 911ern will unsere Regierung ganz schön viel...

Kaufentscheidung für einen Oldie-Elfer 1964-1973:

Das ist ein 1972er 911 T Targa in vipergrün.
Das sind die Elfer, wie sie einst von den Porsches entworfen wurden, ohne Verbreiterungen und ohne schwülstige Stoßstangen. Diese Autos sehen einfach umwerfend aus. Man fährt an die Tankstelle, und es kann passieren, daß man in ein Gespräch verwickelt wird, oder man kommt vom Einkaufen, und es stehen Leute um das Auto, fotografieren es vielleicht sogar oder hängen "ich will kaufen"-Zettelchen unter die Scheibenwischer. Wenn Leute das Auto sehen, lachen Sie einen oft an und winken einem zu. Der Auffälligkeits-faktor ist RIESIG! Die Leute, egal welchen Alters, lieben diese Autos, weil es einfach DIE deutsche Sportwagen-Ikone ist. Also, wer lieber unauffällig bleiben will, sollte vielleicht keinen Elfer dieser Epoche kaufen, vielleicht überhaupt keinen Elfer, weil in gewisser Weise sind sie ja alle auffällig...

Der Fahrspass sucht seines gleichen bei den Elfern bis 73.
Hat man einen, dann wird man mit einer derart direkten und kompromisslosen Fahrdynamik entschädigt, die an Fahrspass kaum zu übertreffen ist und die man an aktuellen Autos so schmerzlich vermisst. Das Auto erinnert eher an ein Kart als an einen modernen Sportwagen. Das Auto sehnt sich förmlich nach kurvigen Landstrassen. Hier hat man noch das Gefühl des FAHRENS und nicht des Gefahren-werdens... Und der Motorsound, der noch völlig ungefiltern nach draussen darf, bedarf keiner schmeichelhaften Umschreibung. Der ist einfach nur DER HELLE WAHNSINN und bringt das Blut zum kochen.

911er bis 73 Fahren ist Sportwagen-Fahren ohne Filter
Aber es sind fahrtechnisch sicherlich auch die schwierigsten Elfer. Wenn man von einem modernen Golf in dieses Auto einsteigt, dann ist das wie von der Sänfte aufs Kamel. Hier gibts keine elektronischen Helferlein (ok, der Scheibenwischer wird elektrisch betätigt), hier bremst und lenkt man noch ohne Servo-Unterstützung. Beim Bremsen meint man, daß ein Stück Holz unter dem Padal verklemmt ist. Schalten muss man oftmals in ungewohnter Weise mit dem ersten Gang hinten links (bis 1971). Leider haben diese Autos auch starke Rostprobleme, da damals ab Werk aus heutiger Sicht völlig unzureichende Schutzmaßnahmen ergriffen wurden.
Selten findet man unrestaurierte Top-Exemplare, die meisten sind schon 1-x-mal restauriert worden. Und unrestaurierte Top-Exemplare werden mit Gold aufgewogen. Die Wartung dieser Autos darf man nur ausgesprochenen Spezialisten überlassen. Schließlich gilt es hier noch 3-fach-Vergaser oder komplizierte Saugrohr-Einspritzanlagen einzustellen. Die meisten Porsche-Zentren dürften hier inzwischen völlig überfordert sein. Aber Spezialisten finden sich überall, man sollte nicht mühen, dafür ein paar Kilometer extra unter die Räder zu nehmen. Suchen Sie sich vorher einen, bevor Sie gedenken, einen Oldie-Elfer zu kaufen. Gehen Sie NIEMALS zu einer unerfahrenen Werkstatt. Die können einen Elfer oftmals nicht richtig auf die Bühne Nehmen. Und denken Sie daran: Der größte Feind ist der Rost und Restaurierungen kommen sehr sehr teuer.
Äußerst wichtig ist außerdem auch, ein originales Auto zu kaufen. Nur so ist der Werterhalt auch die nächsten Jahre gesichert. Akzeptieren Sie keine Verbreiterungen und Umbauten! Sollte ein Auto allerdings zeitgenössisch umgebaut sein, z.B. auf Carrera RS oder Rennwagen-Optik, kann man schon ein Auge zudrücken.

Der Spass kostet leider auch Geld
Also die Zeiten, wo man Urelfer zu absoluten Schnäpchenpreisen kaufen konnte, sind inzwischen lange vorbei. Seit Mitte der 90er ziehen die Preise an, die letzten 3 Jahre sogar sehr deutlich. Bitte vergessen Sie auch die an sich immer guten Classic-Data-Listen. Die befinden sich einfach nicht auf dem neuesten Stand, und alle Preise sind durchweg zu niedrig angesetzt.
Die Elfer der Baujahre 1963-1973 gibts von 110 bis 190PS (mal abgesehen von den sündhaft teuren 73er RS mit 210 PS) und von 2,0 bis 2,4-Liter Hubraum, je nach Baujahr. Um so später, um so besser und teurer, heisst wie so oft die Devise, wobei die ersten Ur-Elfer aus 64-65 derzeit sicherlich auch besonders hohe Preise wegen Ihrer Seltenheit erzielen (es wurden keine 300 St. produziert, und viele davon wurden zum Rennwagen umgebaut, da div. Rennserien eine Baujahrsgrenze von 1965 haben/hatten). Preislich sind alle Elfer dieser Baujahre sehr teuer und gerade die letzten 3 Jahre besonders stark am ansteigen. So muss man heute (Stand August 2004) für ein gutes Exemplar mindestens 20.000 Euro hinlegen, bekommt aber hierfür sicherlich nur maximal 130 PS und eine vielleicht nicht ganz so tolle Farbe... Für die starken S-Modelle in gutem Zustand muss man deutlich mehr anlegen. Unter 25.000 Euro geht hier nichts mehr Vernünftiges her und nach oben finden sie derzeit erst bei 40.000 Euro halt. Unrestaurierte Top-S-Modelle mit 100% nachvollziehbarer Historie können sogar noch darüber liegen. Diese Autos sind aber sehr selten. Abgesehen von den seltenen Urelfern -65 erzielen die 2,4-Liter Modelle der Baujahre 72 und 73 die höchsten Preise (72er noch mehr als 73er). Zum einen, weil der Motor von der Leistungsentfaltung den Vorgängern überlegen ist, zum anderen haben diese schon ein "normales" Getriebe mit erstem Gang vorne und eine bessere Rostvorsorge (hauptsächlich den Unterboden betreffend). Targas sind im Schnitt so ca. 1000 Euro teurer, wenn es sich um ein frühes Softtop-Targa-Modell handelt, ist ein oft ein extra-Aufschlag fällig. Bei den S-Modellen gibt es keine nennenswerten Preisunterschiede zwischen Targa und Coupe, hier ist die Nachfrage nach Coupes sogar höher, dafür ist ein S-Targa besonders selten... Ob in Zukunft, wie bei anderen Oldtimern auch, die offenen Varianten deutlich teurer werden, vermag derzeit noch keiner zu sagen. Wenn man sich das Beispiel von einem Porsche 356 oder einem Jaguar E-Type ansieht, ist das zwar zu befürchten, aber der Targa ist kein Voll-Cabrio und gerade beim Elfer gibt es eine eingeschworene, sportlich fahrende Coupe-Fangemeinde...
Für seltene Ausstattungsmerkmale werden i.Ü. derzeit auch kräftige Aufschläge bezahlt. Hier zu nennen sind besonders die seltenen (und exorbitant teuren) Sportsitze und Ausstattungsmerkmale wie Schiebedach und Nebelscheinwerfer.
Versicherungstechnisch gibt es übrigens sehr gutes zu berichten. Da diese Elfer inwischen alle H-Kennzeichentragen können (vorausgesetzt sie sind original), lassen sich diese neben der günstigen Steuer auch sehr günstig versichern. Die Steuer für ein H-kennzeichen beträgt 191 Euro/Jahr. Versicherungstechnisch muss man z.B. für einen Zustand-3 911 mit H-Kennzeichen mit Vollkasko (500SB) gerade mal 260 Euro löhnen (Versicherungsbeispiel Zürich-Versicherung für das Jahr 2003).
Weitere Unterhaltskosten fallen natürlich auch an. Wartung und Reparaturen gehen, wie bei jedem Elfer, doch auch gehörig ins Geld. Einen Vorteil hat natürlich der, der selber schrauben kann und die Werkstatt nur bei schwerwiegenderen Defekten oder komplizierten Wartungsarbeiten aufsuchen muss. Porsche-Ersatzteile kosten ein Vermögen, man erhält aber sehr gute Qualität, was den Preis wieder etwas besser aussehen lässt. Die gute Qualität der Teile hat auch zu Folge, daß gut gewartete und pfleglich behandelte Autos auch sehr zuverlässig sind. Ein großer Vorteil ist außerdem, daß noch fast jedes Ersatzteil bei Porsche erhältlich ist. Nur bei diversen Zierteilen oder Innenausstattung wird die Ersatzteil-Beschaffung schwierig. Es kümmern sich inzwischen auch viele freie Teilehändler um die Versorgung mit günstigeren Elferteilen. Aber das geht oft auch zu Lasten der Qualität. Aber egal wie: Einen Neunelfer, so blöd es klingt, muss man sich leisten können, er ist ein sehr teures Auto und nicht wenige haben bisher die Kosten unterschätzt und ein finanzielles Fiasko erlebt...

Die Empfehlung beim Kauf eines Urelfers
Es ist schwer eine Empfehlung für einen Urelfer-Kauf zu geben. Das begehrteste neben den 73er RS sind sicherlich die 72er S-Modelle. Das sind allerdings auch die teuersten, aber wer genug Geld investieren kann, dem würde ich genau dieses Modell empfehlen.
Allerdings muss es nicht immer ein S sein. Ein E fährt bei Drehzahlen bis ca. 5000 U/min genauso gut wie ein S. Also wer eher ein gemächlicher Fahrer ist, der kann sich den S-Aufschlag sparen... Auch ein gut eingestellter T ist sehr schnell und bringt eine Menge Spass.
Aber es gibt ein paar Grundregeln, wenn Sie Ihnen egal ist, welches Modell es sein soll:
- neuere Modelle sind besser als ältere (klar, die Autos wurden nach und nach weiter verbessert)
- Kaufen Sie den besten Elfer, der für Ihr Geld hergeht
- Zustand der Karosse ist das wichtigste, gefolgt von der Technik, dann erst Innenausstattung
- Originalität bedeutet Wertbeständigkeit
- Lieber einen guten T wie einen schlechten S kaufen!!!!
Der Spass für richtig gute Autos geht aber schon bei ca. 20.000 Euro los. Dann begnügt man sich mit einem T-Modell mit z.B. 125PS. Das klingt heutzutage zwar nach wenig, aber kucken Sie mal, was damals Autos im Schnitt an Leistung hatten. Und in Verbindung mit dem niedrigeren Gewicht muss man auch heute noch keine Angst vor wildgewordenen Diesel-Kleinwagen haben... ;)
Wichtig ist in jedem Fall, daß Sie sich das beste Auto kaufen, daß Sie für Ihr Geld erwerben können. Behalten Sie aber immer Geld für notwendige Reparaturen in der Hinterhand. Aber kaufen Sie für Ihr Geld unbedingt ein gutes Auto, da das Herrichten eines schlechten Autos meist wesentlich mehr Geld verschlingt, als der Erwerb eines guten.
Und außerdem gilt:

Urelfer-Fazit
die Oldie-Elfer sind sicherlich nur für diejenigen geeignet, die bewusst einen sportlichen Oldtimer für die schönen Tage des Jahres neben einem Alltagsauto fahren wollen. Es ist kein Auto, das man jeden Tag benutzt, auch wenn man ihm gerne das Attribut "alltagstauglich" verleiht. Der Alltag mit Regen und schlechtem Wetter wäre in unseren Breiten sicher zu viel für einen Oldtimer, der seine Karriere erst beginnt, und vermutlich auch eine weitere Wertsteigerung erfahren wird. Wegen der Rostanfälligkeit und der Technik, die nicht jeder warten kann, bin ich auch dazu geneigt zu sagen, daß er sicherlich nicht der idelae Oldie für den Einsteiger ist. Wegen der teuren Ersatzteile ist es ratsam, sich nach einem Exemplar umzusehen, das in gutem Zustand ist und nicht restauriert werden muss. Die Kosten für eine gute Komplett-Restauration übersteigen den Wert eines Elfers vermutlich deutlich. Andererseits macht für viele das Oldtimer-Hobby eben die Restauration aus. Diese finden im Elfer sichlich eine Herausforderung, die zwar nicht einfach, aber auch nicht frustrierend ist, da man fast alles für Geld auch kaufen kann.
Egal was Sie kaufen, machen Sie sich auf eine langwierige Suche gefasst, die Wagen sind selten und Sie nicht der einzige Interessent...

Kaufentscheidung für einen Elfer 1974 bis 1989

Ab Modelljahr 1974 musste Porsche seine 911 wider Willen überarbeiten, da nord-amerikanische Gesetze verlangten, Autos zu bauen, die kleinere Unfälle bis 7km/h ohne Beschädigungen überstanden. Kleinere Hersteller, wie Porsche damals nun mal einer war, konnten es sich nicht leisten, ein Modell extra für den amerikanischen Markt zu designen, wie es z.B. VW und BMW taten. Es war die Zeit dieser schrecklichen monströsen Stoßstangen in den USA. Porsche dürfte das mit den Faltenbalg-Stoßstangen am elgentesten überhaupt gelöst haben. Das Design war so gelungen, daß es fast unverändert bis 1989 fortgeführt werde sollte.

Unterscheidung nach Motoren 2,7, 3,0 und 3,2-Liter-Modelle
Grob lassen sich die sog. G-Modelle (das G-Modell war eigentlich das Modelljahr 74) in die 2,7-Liter-Modelle, die 3,0 Liter Modelle und den C1 mit 3,2 Liter unterteilen. Die 2,7-Liter-Modelle wurden im Modell 74 eingeführt und hatten Anfangs von 150 bis 210PS. Sehr interessant ist der 210PS-Motor aus dem Carrera RS, der ja im Modell 73 für Furore sorgte und heute einer der begehrtesten teuersten 911er überhaupt ist. Zum Modelljahr 76 wurde der 210PS-Motor von einem 3,0-Liter-Motor mit 200 PS abgelöst. Dieser Motor wurde aus dem potenten Turbo-Aggregat abgeleitet und war etwas ziviler wie der hochdrehende 210-PS-Motor. Zum Modelljahr 78 wurde der SC mit seinem zuverlässigen 3,0-Liter-Boxer eingeführt. Der 2,7-Liter-Motor war ab hier Geschichte. Die konsequente Motoren-Weiterentwicklung führte weiterhin zum 3,2-Liter des Carrera ab Modell 84.

Grundsätzlich lässt sich sagen, daß die Zuverlässigkeit der Triebwerke im Laufe der Produktionszeit zunahm, weswegen rein motor-technisch der 3,2-Liter immer vorzuziehen wäre. Jedoch lässt sich bereits schon für den SC ab 78 das Prädikat "absolut zuverlässig" aussprechen. Ab hier haben die Triebwerke eine Zuverlässigkeit erreicht, die für Sportwägen sicherlich einmalig ist. Fahrleistungen bis 300.000km ohne Motorüberholung sind keine Seltenheit! Die 2,7-Liter-Modelle gelten hier eher als anfällig, was aber nicht heisst, daß diese Motoren schlecht sind. Vielmehr sind auch sie zuverlässige Mororen, aber halt nicht so wie die Nachfolger.

Vollverzinkung ab Modell 76
Das Modell 76 (ab Sptember 1975) muss als absoluter Meilenstein in der Liste der Verbesserungen aufgeführt werden. Ab hier wurden die tragenden Teile vollverzinkt und dem Rost damit eine extrem wirksame Barriere entgegengesetzt. Rost findet sich in größerem Ausmaße seither nur an sehr ungepflegten oder verunfallten Fahrzeugen. Beim Kauf kann nur ganz klar empfohlen werden, sich einen ab Modell 76 zu kaufen. Sie haben ein riesen Problem weniger!

Die Fahrleistungen sprechen für den 3,2-Liter
Fahrtechnisch überzeugen sie alle. Die älteren sind "giftiger", die neueren 3,2 ziviler, aber dafür souveräner. Bei den 2,7-Liter-Modellen lässt sich der 2,7-Liter-Carrera besonder hervorheben. Der Motor ist kompromisslos sportlich und man kann sich ein wenig wie im legendären Carrera RS fühlen, man erreicht aber nie dessen Fahrleistungen. Die anderen 2,7-Liter-Motoren sind für viele wegen dem schlechten Ruf (bzgl. Zuverlässigkeit) und der geringen Leistung nicht sonderlich beliebt. Es sind jedoch sehr schnelle Autos mit kraftvollen Motoren und gerade diese Varianten bieten evtl. derzeit das beste Preis-/Leistungsverhältnis. Zudem sind diese Motoren in den attraktiven Schmalmodellen verbaut, die wesentlich klassischer Aussehen als die verbreiterten Varianten. Zwischen dem Carrera 3,0 und dem SC-Triebwerk mit 180 PS liegen keine Welten. Ebenso zwischen dem 180PS, 188PS und dem 204-PS-SC. In zeitgenössischen Testberichten wurde der 188PS CS mit 6,3 sec auf 100 und der 204 PS mit 5,9 sec. auf 100 gestestet, was deutlich über den Werksangaben lag. Die Motoren streuen leistungsmäßig fast alle nach oben. Die 188 PS-Motor hatte gegenüber den 180-PS-Motoren keine leistungsteigernden Veränderungen, vermutlich ist es nur eine zahlenmäßige Anpassung. Erst der 204-PS-Motor hatte durch seine höhere Verdichtung nennenswert mehr Leistung, jedoch ist es ein leichtes, die Steuerzeiten des 204-PS-Aggregates auch in die schwächeren Motoren zu übernehmen, so kommt man an annähernd die selbe Leistung heran.
Der 3,2-Liter-Motor im Carrera ("C1")ab Modell 84 hat dann 231 PS, Auto Motor Sport hat im Jahre 1983 für dieses Modell eine Beschleunigung von 5,8 sec von 0-100km/h gemessen, was gegen den 5,9 des SC 3 Jahre vorher etwas mager wirkt. Tatsächlich spielt der Carrera seine Stärken in den höheren Geschwindigkeitsbereichen aus. So wurde eine Höchstgeschwindigkeit von 254 km/h gemessen (SC 240 km/h), was genauso wie die Beschleunigung deutlich über der Werksangabe lag (6,1 sec/245 km/h).

Kaufkriterium G50-Getriebe
Ab Modelljahr 1987 wurde das seit 72 verbaute Getriebe vom Typ 915 durch das "G50-Getriebe" ersetzt. Dieses wirkt wesentlich direkter und moderne als das alte und stellt eindeutig eine Verbesserung dar. Zusätzlich wurde die Kupplung nun hydraulisch ausgelöst, was die Pedalkräfte deutlich reduzierte.
So schlecht,wie viele G50-Fahrer behaupten, ist das 915-Getriebe aber auch nicht. Es ist nur gegen modernere Getriebe, wie es sich in aktuellen Autos befindet, etwas ungewohnt. Schneller schalten lässt sich das G50 nur für ungeübte Fahrer. Ein kleiner Tip: Das Einstellen der Schaltung oder das Überholen des Schaltgestänges wirkt bei einem alten Auto oft Wunder...

Kat oder nicht Kat?
Ab 1984 konnte der 911 auch in Deutschland mit Kat geordert werden. Anfangs hatten diese 207 PS ab 1987 dann 217 PS. Diese Werkskat-Ausführungen waren aber deutlich lahmer als die katlosen Brüder und sind somit nur bedingt empfehlenswert. Für diese spricht aber, daß sie natürlich vom Kfz-Steuersatz deutlich günstiger sind, indbesondere, weil alle Werkskat-911 auf Euro-II umgeschlüsselt werden können, und somit mit derzeit 6,14 Euro im Gegensatz zu den katlosen 25,xx schon sehr gewichtige Argumente mitbringen.
Etwas mehr Freude hat man, wenn man seinen sich für eine Kat-Nachrüstung entscheidet. Diese nimmt dem Auto nur unwesentlich Leistung, je nach Hersteller wird sogar eine Leistungssteigerung versprochen. 2000 Euro extra sind für die Nachrüstung einzuplanen, ein entsprechender Aufschlag ist bei bereits nachgerüsteten zu berücksichtgen.
Die Katnachrüstung ist i.Ü. auch für die 3,0-Liter und 2,7-Liter-Modelle möglich. Meist ist jedoch nur Euro-I möglich und man muss mit Abstrichen bei der Laufkultur des Motors rechnen, da die Steuerungselektrik der Einspritzanlage einfach zu langsam auf die Signale der Lambda-Sonde reagiert. Trotzdem halte ich auch hier den Kat für eine sinnvolle Investition.

optische Beweggründe
Es gibt auch optische Gründe, sich für das ein oder andere Modell zu entscheiden. So wurden die Standard-2,7-Liter noch mit der schmalen Karrosserie gefertigt, ab September 1977 wurde der SC eingeführt, der dieKotflügelverbreiterungen des Carreras übernahm. Diese Karrosserieform wurde bis 1989 unverändert weitergebaut und nur in Details verändert. Haben Sie also Gefallen an einer Schmalkarosse gefunden, wird Ihnen nichts anderes übrig bleiben, als zum 2,7-Liter zu greifen. Diese Schmal-Modelle tragen auch noch oftmals den damals originalen Chromzierrat (Scheibenrahmen und Targabügel) und sehen doch deutlich klassischer aus, als z.B. ein SC. Allerdings wurde die SC's im Modelljahr 78 und 79 auch mit Chromzierrat angeboten. Diese Autos sind aber sehr selten, da der Zeitgeschmack der damaligen Zeit für einen Sportwagen eher für mattschwarze Zierteile sprach, selbst wenn diese zu der Zeit noch kräftig Aufpreis kosteten.

Die Kosten
Der Anschaffungspreis steigt hier mit dem Baujahr. Die Teuersten sind die Carrera 3,2 von 87-89. Dies liegt in erster Line am G50-Getriebe. Für gute, scheckheftgepflegte Coupes mit akzeptablen Laufleistungen sind ca. 20.000 Euro anzulegen. Targas sind af selbem Niveau, Cabrios etwas teurer. Für sehr gute deutsche 1.Hand-Fahrzeuge mit Scheckheft und unter 100.000km in gesuchten Farben wie dunkelblau oder schwarz muss man derzeit auch einen kräftigen Aufschlag zahlen. So kann ein Coupe aus 87-89 auch 25.-30.000 Euro kosten. Sondermodelle wie Clubsport, Speedster oder Jubiläumsmodell "25 Jahre 911" sind nochmals teurer. Für Carreras der Jahre 84-86 muss man weniger zahlen, für das selbe Auto ca. 2-3000 Euro weniger. Es stellt sich hier natürlich die Frage, ob einem der Mehrpreis für ein besseres Getriebe wirklich 2000 Euro wert ist. Wer weiterhin zufällig auf rote oder weisse Carreras steht hat ebenfalls Glück. Die sind ebenfalls nur mit Abschlägen zu verkaufen. Es ist also durchaus möglich, ein 84er Coupe in weiss und sehr gutem Zustand für ca. 16.000 Euro zu bekommen. Allerdings sind die klassischen Sportwagen-Farben weiss und rot wieder verstärkt im Kommen...
Schon deutlich günstiger sind die SC's. Hier beginnt der Spass mit einem ordentlichem Coupe schon bei 14.000 Euro. Für die 204-PS-Variante sind ca. 1000 Euro mehr anzulegen. Sehr gute Autos sind natürlich teurer, und der Durchschnitts-Zustand billiger.
Die 2,7-Liter-Modelle mit 150, 165 oder 175 PS sind mit Sicherheit die günstigsten Elfer, die man kaufen kann. Hier kann man gegenüber den SC-Preisen 10-30% abrechnen, je nachdem, ob sie verzinkt sind oder nicht. Die Aussicht auf ein H-Kennzeichen lässt aber auch diese Autos im Preis steigen. Die 3,0 Carreras werden schon ziemlich teuer gehandelt, sie sind selten und deswegen auch teurer als SC's. Auch die 2,7-Carreras sind teuer, weil selten und wegen dem legendären Motor begehrt.

Die Angaben gelten natürlich für gute Autos. Wenn man mit einem mittelmäßigen Auto zufrieden ist, kann man auch Geld sparen. Aber wie bei fast allen Autos gilt auch hier: Ein gut gepflegtes und gewartetes Auto ist der bessere Kauf, auch wenn es teurer ist.

Modellempfehlung Baujahr 74-89
Klar, vom technischen Aspekt müsste man eine klare Empfehlung für einen 3,2-Liter-C1 der Modelle 87-89 aussprechen. Das sind die modernsten klassischen Elfer. Es finden sich sehr viele gute Autos auf dem Markt, man kann fast nach Farbe und Ausstattung wählen. Aber der Preis ist leider nicht heiss, sondern einfach nur hoch, diese Elfer will schließlich jeder... Wenn jemand genug Geld mitbringt, ok, dann ist die Entscheidung klar. Wer sich allerdings einen vernünftigen G50-C1 nicht leisten kann, sollte, bevor er sich ein schlechtes Exemplar aus diesem Baujahr zulegt, lieber mal bei den älteren SC umsehen. Insbesondere die 204-PS-Variante geht nur unwesentlich schlechter als ein C1, ist aber deutlich billiger. Außerdem ist er vom Fahrverhalten noch etwas "giftiger", was den Fahrspass und das subjektive Sportwagen-Fahrgefühl sehr positiv beeinflusst und einige Fahrer mehr zufrieden stellt als ein C1.
Ein SC bietet meiner Ansicht nach derzeit das beste Preis-Leistungs-Verhältnis überhaupt bei einem 911. Auch die älteren SC's mit 180 Bzw. 188 PS sind eine Überlegung wert. Man kann mit relativ einfachen Mitteln die Steuerzeiten so anpassen, daß man fast die Fahrleistungen des 204-PS-Modells erreicht. Außerdem sind bei den ersten SC die begehrten H-Kennzeichen schon in wenigen Jahren Realität, was das Hobby steuer- und versicherungsmäßig auf ein sehr günstiges Niveau senkt, und den Fahrzeugwert vermutlich in positivem Sinne beeinflusst. Noch dazu sind SC's inzwischen fast alle über 20 Jahre alt, was günstige Young-Timer-Versicherungen ermöglicht, vorausgesetzt es steht ein anderes Auto im Alltag zur Verfügung.
OK, aber auch von allen anderen muss nicht abgeraten werden, auf irgendeine Weise sind alle gut und begehrenswert. Allerdings sollte man schon auf eine verzinkte Karosserie (ab Modell 76) wert legen sollte, weil man einfach ein riesiges Problem weniger hat.

 
© Winfried Wenninger, Jan 2004